Das Bild zeigt mehrere Nervenzellkörper mit seinen Fortsätzen

Nervus vagus – Der Selbstheilungsnerv

Warum hat der Nervus vagus so großen Einfluss auf unser Ruheempfinden und die Selbstheilungskräfte?

„Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern. Wieder Atem holen lernen, das ist es.“1

Christian Morgenstern

Nervensystem

Gliederung nach Lage

Unser Nervensystem besteht aus unterschiedlichen Anteilen, zum einen aus dem Zentralen Nervensystem (ZNS) – welches sich aus dem Gehirn und Rückenmark zusammensetzt und dem Peripheren Nervensystem (PNS) – bestehend aus: Rückenmarksnerven, Hirnnerven und Ganglien (Ansammlung von Nervenzellkernen). Diese Gliederung entspricht jedoch mehr ihrer Lage.

Unterteilung nach Funktion

Wenn man das Nervensystem (NS) nach ihrer Funktion unterteilt, spricht man hier vom Somatischen- und Autonomen NS. Es dient also unterschiedlichen Aufgaben. Wo das Somatische (vom griech. für „Körper“) Nervensystem – auch als »Animalisches NS« bezeichnet, mehr dem »Außenaspekt« (Interaktion in den Raum hinein) dient – hier geht es vor allem um die: willkürliche (bewusste) Ansteuerung der Skelettmuskulatur (Bewegung im Raum) und das bewusste Wahrnehmen der Körperperipherie – also das Erfassen von äußerlichen Reizen, welche auf den Körper einströmen, sowie die Lage des Körpers im Raum selbst. So besitzt das Autonome NS mehr die Aufgabe des »Innenaspektes«. Diese Ansteuerung verläuft weitestgehend unwillkürlich (unbewusst) ab und steuert unsere inneren Organe.

Motorische und sensible Anteile

Aufgrund unterschiedlicher Nervenfaserqualitäten kann das Autonome (Vegetative) Nervensystem noch einmal weiter unterteilt werden und zwar in motorische und sensible Anteile. Mit Motorik (viszero-motorisch) ist hier vor allem die Bewegung der glatten Muskulatur gemeint, wie man sie bei unseren Eingeweiden (Organen) vorfindet, sowie die Ansteuerung der Herzmuskulatur, Drüsen und Blutgefäße. Die Sensorik und die sensiblen Bahnen leiten ihre Impulse zum Gehirn und sind für die Signalübertragung von Reizen – von innen wie außen kommend – zuständig. Der Körper besitzt dafür, viele Rezeptoren, um diese komplexen Vorgänge bewerkstelligen zu können. Dabei arbeiten unser Nervensystem und Hormonsystem eng miteinander zusammen. Wird im weiteren Sinne, von den motorischen Anteilen gesprochen, so sind hier die autonomen (vegetativen) Anteile gemeint, wie den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus auch als »Kampf- und Fluchtnerv« und der Parasympathikus auch als »Ruhenerv« bekannt, wirken im engeren Sinne, gegenseitig und in Wechselwirkung zueinander.

Parasympathikus / Nervus vagus

Im Weiteren, möchte ich, jedoch mehr auf den Parasympathikus, sowie den X. Hirnnerv – auch Vagusnerv (Nervus vagus) genannt, eingehen. Da der Nervus vagus, ein gemischter Nerv ist und unterschiedliche Faserqualitäten (über 80 % sensible Anteile), wie auch parasympathische Fasern enthält, hat er zum einen große Einwirkung auf unser Ruheempfinden und auch die Selbstheilungskräfte. Der Vagusnerv hat seinen Namen erhalten, vom lateinischen Verb: „vagari“ – was so viel bedeutet wie: „umherschweifen; -streifen; vagabundieren“. Dies zeigt auf, dass er ein großes Versorgungsgebiet abdeckt und nicht wie die anderen Hirnnerven (12 an der Zahl), nur den Kopf-, Halsbereich versorgt. Sondern auch darüber hinaus den Brust- und Bauchraum miteinschließt. Eine gestörte Vagus Funktion kann sich in ganz unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen:

  • Verdauungsstörungen
  • Atem- und Schluckbeschwerden
  • Chronischer Stress
  • Schlafprobleme
  • Herz- und Kreislaufprobleme

Aufgrund seiner breiten Wirkungsweise ist ersichtlich, wie bedeutsam der Nervus vagus ist. Seine sensiblen Bahnen – der größere Anteil davon – leiten Informationen von den meisten inneren Organen und auch Blutgefäßen zum Gehirn (ZNS), welches diese verarbeitet und normalerweise adäquat darauf reagiert. Sowie umgekehrt, ca. 20 % der Botschaften werden unter anderem vom ZNS an den: Magen- und Darmtrakt, das Herz und weitere Organe, die Drüsen (Speicheldrüsen und die Bauchspeicheldrüsen) etc. ausgesendet. Dies bewirkt unter anderem: eine Stimulation der Darmperistaltik, die Gallenblasenentleerung wird gefördert, aber auch an der Herzfrequenz- und Blutdruckregulation ist er beteiligt. Er hat also großen Einfluss auf unseren Körper und dessen Funktion.

Ursprung und Verlauf

Seinen Ursprung hat der paarige Vagusnerv im Hirnstamm (ZNS) in vier Kerngebieten und den darauffolgenden, innerhalb und außerhalb des Schädels liegenden Ganglien (Ansammlung von Nervenzellkörper). Er verlässt an der Schädelbasis den Schädel (beidseits). Seine Nervenfasern (Bündel von Nervenfortsätzen) ziehen dann weiter in die Körperperipherie. Vor allem die parasympathischen Nervenfasern schalten in Ganglien – nahe ihrer Zielorgane liegend, noch einmal um. Durch weitere Aufzweigungsschritte zu diversen Nervenästen, -stämmen, beziehungsweise Nervengeflechten, wandern die daraus entstanden Nervenstränge (Nerv), dann entsprechend zu ihren Organen und Körperregionen und gewährleisten die Versorgung und Innervation. Ein funktionstüchtiger Vagusnerv ist aufgrund seines großen Wirkungsspektrums von herausragender Bedeutung für unseren Körper und deshalb auch für unsere Gesundheit. Er steuert zum einen: unsere Atmung, versorgt die Geschmacksknospen des Kehlkopfes, ist am Schluckprozess beteiligt, hat Einfluss auf unser Herz und die Blutgefäße, sowie die Blutdruckregulation, nimmt Einfluss auf die Leberfunktion und moduliert Verdauungsprozesse, Blutzucker und weitere Abläufe.

Funktionsbeeinträchtigungen & Schädigungen

Funktionsbeeinträchtigungen beziehungsweise Schädigungen des Vagusnervs, können innerhalb des Gehirns/Rückenmarks (ZNS), als auch in der Körperperipherie liegen. Es zeigen sich dann, ganz unterschiedliche Läsionen und Auswirkungen.

Ursachen für Beeinträchtigungen / Schädigungen

Ursachen für Schädigungen des Vagusnervs können vielfältig sein: traumatisch, infektiös, vaskulär (die Blutgefäße betreffend), aber auch Raumforderungen wie Tumore. Je nach Lage und Schädigung der entsprechenden Region – das kann im ZNS, als auch im PNS sein – zeigen sich dann, ganz unterschiedliche Symptome/Ausprägungen.

Kommt es beispielsweise im Rahmen einer Schilddrüsenoperation zu einer Schädigung des Vagusnervs in der Körperperipherie, kann dies zu Heiserkeit der Stimme führen. Sind Nerven im Bereich des Verdauungskanals betroffen, können Verdauungsstörungen die Folge sein: Durchfälle, Verstopfungen, Blähungen, bis hin zum Reizdarmsyndrom sind möglich. Damit jedoch unsere Verdauung, reibungslos ablaufen kann, benötigt es einen entspannten Zustand. Chronischer Stress wirkt sich ungünstig auf unseren Vagusnerv aus – die sogenannte »Stressachse« steigt. Gleichsam wird unser »Bauchgehirn« (Enterisches Nervensystem) vom parasympathischen System moduliert und reguliert. Die Aussage wie, beispielsweise: „Ich habe ein schlechtes Bauchgefühl“ – triggert unser »Hormon-Cocktail« (Hormonausschüttung wird, anregt) und hat Auswirkung auf unseren Vagusnerv. Hierbei wird ersichtlich, dass selbst unsere Gedanken und Glaubenssätze, auf unser Hormonsystem wirken und demnach auch, auf unser Nervensystem.

Dergleichen spielt unsere Nahrungsaufnahme eine große Rolle, schlechte Ernährungsgewohnheiten und zu schnelles Essen, können zu Funktionsbeeinträchtigungen führen. Dies kann sich wiederum, in unserem Empfinden und unserer Stimmung (Emotion) niederschlagen. Schädigungen unseres »Mikrobioms« – das so individuell ist, wie ein Fingerabdruck – durch zu viel und auf ein großes Spektrum ausgelegte Antibiotika zustande kommt, lässt unseren Vagusnerv schwächeln. Deshalb ist es wichtig, nach Antibiotikagabe, den Darm zu sanieren. In Form von »Probiotika«, und zwar der Richtigen. Damit die, für uns nützlichen, natürlich vorkommenden Bakterien »unsere Freunde« wieder entsprechend angesiedelt werden können. Die für uns Schädlichen haben somit keinen Platz und können dann auch weniger Schaden anrichten.

Infektionen / Entzündungen

Infektionen und auch Entzündungen können unseren Vagusnerv ebenfalls beschädigen, wie es unter anderem bei Long-Covid der Fall sein kann, wie ein Artikel in der PZ (Pharmazeutische Zeitung) zeigt: „Potenzielle Nervenschädigungen – Neues zu den Mechanismen hinter Long Covid“.

Einflussnahme auf den Nervus vagus

Das Schöne daran ist, wir können Einfluss auf unseren Vagusnerv nehmen. Viele (Entspannungs-) Methoden/Techniken, wie: Thai-Chi, Qigong, Atemübungen, Meditation, auch Bowtech (Bowen-Anwendungen) und weitere, wirken sich günstig aus – auf den Nervus Vagus. Bei all diesen Methoden, ist es wichtig herauszufinden, welche man selbst, für sich als angenehm und förderlich empfindet. Unser Wohlempfinden positiv beeinflusst.

In der Dezember-Ausgabe 2019 von natur & heilen, wird im Fachartikel: „Der Selbstheilungsnerv – Wirksame Hilfe zur Aktivierung des Vagus-Nervs“ eine Grundübung zur Verbesserung des sozialen Nervensystems des Körpertherapeuten Stanley Rosenberg beschrieben. Welche man leicht in den Alltag integrieren kann und keine Vorkenntnisse verlangt.

Wir können also viel selbst tun! Eine gesunde und angemessene »Selbstfürsorge« ist für unser Wohlgefühl elementar. Genauso wie gute und gesunde Lebensmittel. Am besten biologisch, angebautes Obst und Gemüse, Zufuhr genügender Ballaststoffe, Fleisch nur in Maßen und langsam Kauen (gut einspeicheln) sind wichtig. Darüber hinaus auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr in Form von »stillen Wasser« achten – empfohlene Menge eines Erwachsenen: ca. 1,5 – 3 L/Tag je nach Körpergewicht. Außerdem das Essen wieder genießen und sich Zeit dafür zu geben. Regelmäßige und geregelte Essenszeiten sind durchaus förderlich. Am meisten machen das Zubereiten und der Verzehr in Gesellschaft Spaß! Wir stärken darüber hinaus unsere soziale Verbundenheit.

Ein Spaziergang in der Natur, bewusst wahrgenommene Stille und dem damit verbundenen Gefühl tiefer innerer Zufriedenheit, ein wohlwollendes warmes Bad, Singen und Chanten und vieles mehr, sind heilsam für uns selbst und unseren Vagusnerv. Alles, was uns dazu verhilft, in einen entspannten Zustand zu kommen. Damit aktivieren wir unseren »inneren Arzt« und die Selbstheilungskräfte können einfach wieder in Fluss kommen. Die Gesunderhaltung von Körper-Geist-Seele wird gestärkt!

Quellenhinweise:

1 https://gutezitate.com/zitat/115105

Bildnachweis:

https://pixabay.com/de/illustrations/nervenzellen-neuronen-2213009/

WELTGESUNDHEITSTAG 7. April 2022

Gesundheit geht uns alle an!

„Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung. Und sie gedeiht mit der Freude am Leben.“

Thomas von Aquin (1224 – 1274)

Bereits in der Verfassung vom 22.07.1946 – unterzeichnet in New York, von den beteiligten Staaten in Übereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen, legte die WHO »World Health Organisation (Weltgesundheitsorganisation)« fest, dass die Prinzipien: Glück, harmonische Beziehungen und die Sicherheit aller Völker die Grundlage für Gesundheit sein sollen. Folgende Definition wurde im 1. Abs. festgehalten: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ 1

Was nun genau bedeutet, dass für jeden Einzelnen? – Sollte Gesundheit in der heutigen Zeit neu gedacht werden?

Ich denke, die Definition hat nach wie vor, ihre Gültigkeit, zeigt jedoch auch manche »Tücken« auf – wobei ich hier noch einmal weiter unten darauf eingehen möchte. Der diesjährige Weltgesundheitstag, am 7. April 20222 wurde von der WHO unter das Motto: “Our Planet, our health” – »Unser Planet (Erde), unsere Gesundheit« gestellt. Die Weltgesundheitsorganisation möchte dabei, auf die Folgen des Klimawandels und unsere Gesundheit aufmerksam machen. Schon allein daraus, lässt sich ableiten, dass Gesundheit viel mehr, als nur ein körperlicher Prozess darstellt und auf dessen Unversehrtheit abzielt.

Auch in der Ottawa-Charta (1986) wird »Gesundheitsförderung« beschrieben und darauf verwiesen, dass sich Gesundheit aus vielen Bausteinen zusammensetzt. Darunter zählt: Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, Einkommen, ein stabiles Öko-System, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit.3 Alles Themen, die nach wie vor, brandaktuell sind. Gleichzeitig auch, dass wir als »Individuum« gefordert sind, um Gesundheit herzustellen. Wir Menschen sind also nicht nur, für uns selbst verantwortlich, sondern auch für das Wohlergehen aller und was uns umgibt.

Wir können mit unserem Verhalten, unseren Denkweisen und Handlungen, ganz bewusst dazu beitragen, Gesundheit entstehen zu lassen. Viel mehr stellt sich die Frage: Wie wir uns dazu ermächtigen und befähigen können? – »Altruismus« kann ein Ansatz sein. Er ist gekennzeichnet durch: Uneigennützigkeit; selbstlose Denk- und Handlungsweise – steht also, in den Diensten aller. Dennoch darf dabei, die »Selbstfürsorge« nicht außer Acht gelassen werden. Um erfassen zu können was für einen selbst richtig / falsch ist, kann das eigene Wohlempfinden ein Indikator sein – was wiederum Grundlage für die Gesundheit im weiteren Sinne ist. Wir Menschen, als soziale Wesen, benötigen um Selbstfürsorge angemessen betreiben zu können – vier essentielle Grundbedürfnisse befriedigt: das Gefühl von Zugehörigkeit / Verbundensein; Lust / Befriedigung bzw. Unlustvermeidung; Autonomie (Wachstum) / Selbstkontrolle und Anerkennung. Gleichzeitig benötigt es auch Resilienzfaktoren wie: Mut; Neugier (Forschergeist) und Verspieltheit (Humor), um gesunden bzw. genesen zu können. Hierbei wird ersichtlich, dass »Heilung« unter anderem, dann entstehen kann, wenn wir zum einen in die »Selbstverantwortung« kommen und die Verantwortung nicht an andere abgeben – stets auch vorausgesetzt, ich bin als Mensch, auch dazu befähigt, es erfassen zu können. Darüber hinaus benötigt es auch, eine angemessene Fürsorge für unsere Um- und Mitwelt – so, dass Unterstützung / Hilfe angeboten werden kann und sicherlich spielt auch das Anerkennen der eigenen Begrenztheit eine Rolle.

Wir alle, sind in einem Ökosystem eingebunden, für das wir Sorge zu tragen haben – damit auch die zukünftigen Generationen ein gutes Leben auf unserem Planeten führen können. Wir sollten beginnen, wieder aufeinander zu achten und die Natur zu ehren – für das was sie uns gibt, damit wir ein gesundes Dasein führen können. Unser Leben ist auf unterschiedliche Art und Weise bedroht – und viele Probleme davon sind hausgemacht. Solange der Mensch annimmt, er ist besser als der Rest der Natur und nach »Darwins Gesetz« lebt: „Der Stärkere siegt“ – können wir zum einen nicht in Frieden kommen und Heilung bleibt ein schwieriges Unterfangen.

Bereits jetzt ist ersichtlich, dass die Auswirkungen, welche der Klimawandel mit sich bringt, eine Gefährdung für unser aller Gesundheit darstellen. Die WHO macht hier unter anderem auf die vulnerablen Gruppen aufmerksam, welche davon betroffen sind: ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen, Kleinkinder und Säuglinge – die zum einem weniger gut, mit der zunehmenden Hitze umgehen können und sich daraus gesundheitliche Folgen erwachsen. Das ist jedoch bei weitem nicht alles, was der Klimawandel mit sich bringt. Außerdem ist unser Leben, in der heutigen Zeit, auch anderweitig in Gefahr: Atomwaffen; Massenmigration; Pandemien; Terrorismus; Artensterben und vieles mehr. All diese Tatsachen, lassen sich nicht mehr leugnen und erfordern ein genaues »HINSCHAUEN«. Denn schließlich, ist: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ – wie Arthur Schoppenhauer (1788-1860) schon sagte. Wobei dieses Zitat durchaus nachdenklich stimmen sollte, da Gesundheit – als »Fehlen von Krankheit und Gebrechen«, der Multidimensionalität der Definition durch die WHO nicht wirklich gerecht wird.

Bei näherem Betrachten fällt auf: viele Menschen haben körperliche, geistige und auch psychische, wie soziale oder finanzielle Beeinträchtigungen – Wie lässt sich hier Gesundheit leben? Hier rückt die Betrachtungsweise der »Salutogenese« verstärkt in den Vordergrund, denn nach der Lehre von Aaron Antonovsky (Medizinsoziologe), wird Gesundheit als Prozess gesehen und nicht als Zustand. Es geht darum Fähigkeiten / Ressourcen zu fördern und Stressoren zu vermeiden bzw. damit umgehen zu lernen. Gesundheit und Krankheit wechseln sich hier, nicht gegenseitig ab, also nicht »dichotom«, sondern befinden sich auf einem Kontinuum. Außerdem zeigt sich auch hier, die Vielschichtigkeit dieser Lehre. Nach ihrem Modell findet auch in der Salutogenese, Gesundheit auf unterschiedlichen Ebenen (Dimensionen) statt und es wird hier immer wieder vom »Kohärenzgefühl« gesprochen. Zusammengefasst könnte man sagen: es geht um ein Gefühl der Zuversicht, basierend auf Erfahrung und Entwicklung mit einer »positiven Grundhaltung«, dass auch schwierige Situationen und Lebensumstände durchaus zu meistern sind und dabei das Wohlempfinden verstärkt in den Vordergrund rücken lässt. Darüber hinaus, spielen das Verstehen, die Bedeutsamkeit und die Handlungsfähigkeit eine Rolle. Was können wir also tun, um Gesundheit herzustellen? – Damit wir wachsen und gedeihen können.

Der Wunsch nach Glück, Frieden und Wohlgefühl ist tief, in jedem von uns verankert und Teil unserer menschlichen Natur. Wieso fällt es uns dann so schwer, für eine gerechtere Welt und unsere Erde Sorge zu leisten? – Wie sind gelingende Beziehungen möglich? Ich denke, die Liste der Fragen, ließe sich noch weiter ausweiten, jedoch soll jeder die Möglichkeit erhalten, seine eigenen Gedanken hierzu auszusprechen und zu formulieren. Durchaus damit verbunden, die eigene Situation – vorausgesetzt, dazu auch in der Lage sein zu können – in welcher man sich befindet zu beurteilen, mit weiteren Fragen im Blick: Wer bin ich? – Was, will ich wirklich, wirklich? – Wie kann ich Unterstützer sein und gleichzeitig Unterstützung erfahren?

Dabei fällt auf, dass wir alle unsere Um- und Mitwelt mit unseren eigenen: Glaubenssätzen, emotionalen Empfindungen und Gefühlen belegen. Diese rühren zum einen daher, dass wir alle Erziehung durchlaufen haben – wir wurden sozusagen »geformt« und darüber hinaus spielen die, für uns unguten gemachten Erfahrungen ebenfalls eine Rolle – hier kommt der »Vermeidungsfaktor« zum Tragen. Da sie subjektiv wirken, fallen objektive Betrachtungsweisen, oft schwer. Um in die Handlungsfähigkeit kommen zu können, braucht es zum einen: ein intuitives Erfassen und gleichzeitig auch bewusstes Begreifen.

Wir alle besitzen ein Bewertungssystem in uns – Jens Corssen und Christiane Tramitz – beschreiben in ihrem Buch »Ich und die anderen«4, dies sehr eindrücklich. Sie geben den »Kindern in uns« – wie ich sie liebevoll benenne – einen Namen, personifizieren dieses. Da gibt es zum einen: den heimlichen Bewerter, Warner (zeigt sich in Scheu- u. Schüchternheit), Vertrauer (Freund oder Feind) – Überlebensmodus läuft im Standby-Betrieb, den Wahrheits-Sammler und den Binder – dieser zeigt die Haltung zu uns selbst und anderen auf, zeigt ob die »Chemie« stimmt und weitere. Die Antwort auf diese unterschiedlichen Bewertungszustände und damit einhergehenden »Hormon-Cocktails« in uns, lassen uns deshalb auch, in verschiedene Modi gelangen. Corssen et al., beschreiben diese als: L-; A- und K-Modus. Wobei hier das: L = Liebe; A = Ablehnung / sprich mich nicht an und K = Kampf steht. Die Kultur, soziale Unterschiede, politische- und religiöse Ansichten, machen unser Zusammenleben nicht leichter – gerade oder mitunter auf ihnen entstehen schon seit Jahrhunderten »Krieg und Ungerechtigkeiten« und gefährden zum einen unsere Gesundheit, ganz enorm.

Es erfordert viel Kreativität und eigenes schöpferisches Handeln, um den Missständen in uns selbst und um uns herum, »Herr« zu werden. Ein co-kreative Grundhaltung und Kommunikation ist hier durchaus förderlich – wenn auch dies, bestimmt nicht alles ist, um »Gesundheit« herzustellen und ihr bei weitem nicht wirklich gerecht wird. Hier fallen mir gleich, zwei Methoden und ihre Begründer ein: die »GFK« (Gewaltfreie Kommunikation) – nach Marshall B. Rosenberg, US-amerikanischer Psychologe (1934 -2015)5 und die SalKom®Methode – nach Theodor Dierk Petzold, Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Akupunktur mit dem Europ. Cert. f. Psychotherapie ECP, Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der MHH.6 Beide verfolgen das Interesse, nach einer Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders. Petzold selbst betont:

Gutes Leben gedeiht in kokreativer Kommunikation.“

Eine Arbeitsgruppe des Dachverbands Salutogenese, an der mein Mann und ich beteiligt war, hat gemeinsam ein Positionspapier zu »Gesundheit und Prävention im politischen Diskurs« erarbeitet. Bezugnehmend auf die Ottawa-Charta werden Anregungen für eine person- und beziehungszentrierte Gesundheitsförderung entworfen. Das Papier kann im Anhang eingesehen werden.7 Darüber hinaus hat Sandra Kunz eine liebe Kollegin, ihren Youtube-Kanal »STUDIO S – der kanal für stimmiger leben« ins Leben gerufen, hier findet man ebenso viele interessante Themenbereiche mit Profilsendungen und Interviews, rund um Menschen, die den Mut haben sich zu zeigen und die anpacken wollen, um gesundheitliche und gesellschaftliche Probleme zu lösen. Ihre Intentionen: deine Selbstregulation anregen und bei der Entwicklung einer guten, gesellschaftlichen Zukunft mitwirken im humanitären wie biosphärischen Sinn.8

Lasst uns also gemeinsam Gesundheit anpacken und verstehen, dass jeder Beitrag, wenn auch noch so klein, förderlich für uns alle sein kann!

Quellenhinweise:

1 https://apps.who.int/gb/bd/ – Basic documents: CONSTITUTION OF THE WORLD HEALTH ORGANIZATION (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

2 https://www.weltgesundheitstag.de/cms/index.asp?inst=wgt-who&snr=13552&t=2022%A7%A7Klima+und+Gesundheit (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

3 https://www.euro.who.int/de/publications/policy-documents/ottawa-charter-for-health-promotion,-1986 (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

4 Jens Corssen / Christiane Tramitz – Hörbuch: Ich und die anderen: Als Selbst-Entwickler zu gelingenden Beziehungen – ©2014 Knaur Verlag

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_B._Rosenberg (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

6 https://gesunde-entwicklung.com/kontakt/ (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

7 https://www.salutogenese-dachverband.de/cms/fileadmin/user_upload/Positionspapier_Gesundheitsfoerderung_DachS_1.0_151221.pdf – Positionspapier Dachverband Salutogenese – Stand: 15.12.2021

8 https://www.studio-s.plus/ – Sandra Kunz (Letzter Aufruf: 31.03.2022)

Literatur:

[3er Set] GFK-Navigator Trilogie komplett (2020) – GFK-Navigator für Gewaltfreie Kommunikation + GFK-Navigator für Gefühle + GFK-Navigator für Bedürfnisse: (DINA4, laminiert) – von Samuel Cremer und Christian Schumacher – Karten – 25. Juli 2016

Theodor Dierk Petzold – SCHÖPFERISCH KOMMUNIZIEREN – AUFBRUCH IN EINE NEUE DIMENSION DES DENKENS – © 2021 Verlag Gesunde Entwicklung, Bad Gandersheim

Bildnachweis:

https://pixabay.com/de/photos/natur-erde-nachhaltigkeit-blatt-3289812/

Fasten & Bowtech®

Wie kann eine Bowtech®-Anwendung das Fasten unterstützen?

„Heilung ist die logische Konsequenz, mit sich selbst, der Umwelt und der Natur im Einklang zu sein.“

Kirsten Rachl-Holst

Die »Fasent« ist vorüber und der Winter ausgetrieben. Traditionell beginnt jedoch mit Ende der Fastnacht ab Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit. Symbolisch gesehen, steht das Fasten dafür, Verzicht auszuüben und seinen Geist und Körper von Lasten zu befreien und zu reinigen, einen »Frühjahrsputz« durchzuführen. Es sind also viele Speisen und auch Alkohol in dieser Zeit tabu. In vielen Regionen nennt man die Fastnacht auch Karneval – dieser Begriff aus dem lateinischen für »Carne vale« bedeutet »Fleisch, lebe wohl«. Bei der Vielzahl von Fastenkuren, die es gibt, ist es heute ein Leichtes, bestimmte Speisen, Getränke wegzulassen, bis hin zum kompletten Verzicht von fester Nahrung, um den Körper dabei zu unterstützen Ballast loszuwerden. Wie sieht es mit unseren Gedanken und Emotionen aus? – Sind diese auch so leicht zu bereinigen?

Um Gedanken und Emotionen zur Ruhe zu bringen, benötigt der Körper einen entspannten Zustand. Das Zusammenspiel von Körper und Geist wird über unser Gehirn, vor allem über das autonome Nervensystem reguliert und moduliert. Hier ist der Anteil zu nennen, welchen man als Parasympathikus »Chill-Nerv« bezeichnet. Ist dieser aktiviert, kann der Körper Stress abbauen, die Verdauung anregen, einen besseren Schlaf, als auch die Neuroplastizität (Neuverschaltung von Nervenzellen) fördern, um nur einige positive Effekte zu nennen. Außerdem entsteht im Körper wieder ein »WOHLGEFÜHL«, was benötigt wird, um überhaupt Veränderungen langfristig herbeiführen zu können. Unsere Intuition wird positiv beeinflusst. Das ganze »Körpersystem Mensch« wird im Sinn der »Salutogenese« (Lehre der Gesundheit) gefördert. Mein Mann sagte hierzu einmal: »Dein Körper und Geist sind ein vollkommen auf sich abgestimmtes System«.

Das Wort »Fasten« kommt vom mittelhochdeutschen Wort: vasten – althochdt.: fāsten – gotisch: fastan und bedeutet ursprünglich im Gotischen: [fest-] halten, streng beobachten, bewachen, aus Sicht der ostgotischen Kirche — »an den Fastengeboten festhalten«.1 Die Definition von Fasten ist: der völlige oder teilweise Verzicht, von Speisen, Getränken, Genussmitteln etc. über einen temporären Zeitraum hinweg.

Dabei folgt das Fasten stets auch bestimmten Regeln: So gibt es Entlastungstage, das eigentliche Fasten und die Aufbautage. Wenn von Fasten die Rede ist, taucht auch immer wieder der Begriff Heilfasten auf und dieser scheint so — steht in keinerlei religiösem Zusammenhang — wohl eher mit der Form unseren Körper gesund zu erhalten. Das Heilfasten sollte auch stets durch einen Arzt oder Heilpraktiker begleitet werden. Interessant ist zu sehen, dass bereits Hippokrates (griech. Arzt) das Fasten anpries, er schrieb: »Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei«.2 So findet man, wenn man beginnt einmal nach unterschiedlichen Fastenmethoden Ausschau zu halten, eine Reihe von Begründer*innen: wie den Arzt Otto Buchinger, F. X. Mayer und auch die Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen. Ihre Sicht auf die Welt ist gewesen: »Wie im Makrokosmos (gesamte Welt), so auch im Mikrokosmos (menschlicher Körper — kleine Welt)«. Sie sah die Welt, durch eine einheitliche Kraft »heilige Grünkraft (Viriditas)« durchdrungen — welche man in heutiger Sprache als: kosmische oder göttliche Energie bezeichnen würde. Bei näherem Betrachten gehören zum Heilfasten nicht nur die Abstinenz (Verzicht) auf Nahrung, sondern auch die körperliche Bewegung, Entspannung und viel frische Luft — wie Hildegard von Bingen es schon schrieb: »Erst dadurch kann sich die ›Grünkraft‹ vollständig entfalten und der Mensch wird wieder heil«.3

„Dein Körper und Geist sind ein vollkommen auf sich abgestimmtes System.“ 4

Wie kann eine Bowtech® die förderlichen Effekte auf Körper, Geist und Seele unterstützen? Bei einer Bowenanwendung wird das Verdauungssystem angeregt – welches der ein oder andere schon einmal bemerkt hat, der diese Methode bereits kennenlernen durfte — auf einmal fängt es an zu »Grummeln oder Gurgeln«. In einem entspannten Zustand, kann die Verdauung ihren »Job« besser ausführen und die zugeführte Nahrung besser aufspalten, die Resorption wird verbessert und der Körper wird dadurch besser mit Nährstoffen versorgt. Man hat wieder das Gefühl, »mehr Energie« zur Verfügung zu haben. Zudem kann der Körper: für ihn schädliche und belastende Stoffe besser abtransportieren und ausscheiden — das auf Sparflamme (Verzicht von Nahrung) setzen beim Fasten fördert noch einmal diesen Abtransport. Das Gefühl, welches dabei oft beschrieben wird, ist: mehr Vitalität, Wohlempfinden und Lebensfreude. Wie lässt sich das aus einer medizinischen Sicht erklären: das Verdauungssystem mit seinem enterischen Nervensystem (Meißner – u. Auerbach Plexus) — auch als »Bauchgehirn« bezeichnet, wird über den Sympathikus und Parasympathikus (vegetative / autonome Nervensystem) moduliert. Der Vagusnerv, der »Umherschweifende« und zehnte Hirnnerv, der Anteil des Parasympathikus ist, sorgt dafür, dass die Verdauungsprozesse in Gang gesetzt werden. Es erfolgt eine Stimulation von Speicheldrüsen, Magen und Darm, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase — als Letztes genanntes wird durch die Leber unterstützt, welche die eigentliche Galle (Gallensaft) produziert. All diese Drüsen und Organe sind maßgeblich beteiligt an einer guten und gesunden Verdauung. Dies wiederum bedeutet: Die Bowtech® schubst eben genau das parasympathische System an. Darüber hinaus – wie bereits beschrieben – wirkt der Parasympathikus Stress entgegen. Diese entspannten Effekte wirken sich auch auf unser Herz- und Kreislaufsystem aus und Symptome auf dieser Ebene können ebenso Ausgleich erfahren.

Die Bowtech®-Anwendung ist als »Tool« zu betrachten, welches die oben genannten förderlichen Effekte spürbar unterstützen kann – es wird die »körpereigene Selbstregulation (KSR)« sanft angestoßen. Damit können zum einen die positiven Auswirkungen, welches das Fasten mit sich bringt und das Wohlgefühl – das bei einer Bowenanwendung entsteht – miteinander wirken. Man könnte sagen: Es kommt zu einer Art von »Symbiose«. Gleichzeitig wird dadurch unser Immunsystem förderlich unterstützt und Körper und Geist können wieder in Einklang kommen. Somit wird die Gesunderhaltung positiv beeinflusst und wir können dem »Alltag wieder besser die Stirn bieten«.

Quellenhinweise:

1 https://www.brauchtum.de/de/fruehjahr/fastenzeit/unterseiten/vom-sinn-der-leeren-schuesseln.html – Letzter Aufruf: 09.02.2022

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Fasten – Letzter Aufruf: 09.02.2022

3 Das große Buch der Hildegard von Bingen – Bewährtes Heilwissen für Gesundheit und Wohlbefinden (S.30 – S.40) – © KOMET Verlag GmbH, Köln – ISBN 978-3-86941-102-6

4 Zitat: Helmut Rachl

Literatur:

Brigitte Pregenzer – Das Immunsystem stärken mit Hildegard von Bingen – Abwehrkräfte mobilisieren und Ängste abbauen – © 2021 Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck

natur & heilen – Bowtech – Sanfte Griffe zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte – Autor: Helmut Rachl – März Ausgabe 2020

Bildnachweis:

Bild von congerdesign von Pixabay

Führung

Was hat Führung mit einem erfüllten Leben zu tun?

Um etwas zu verändern, muss man nicht Präsident sein,
sondern die Bereitschaft in sich tragen, sich selbst zu verändern.

Barack Obama

Im Frühjahr 2019 durften mein Mann und ich tatsächlich Barack Obama treffen, er sprach über »FÜHRUNG« vor mehreren tausend Menschen in der »Lanxess-Arena« in Köln. Beieindruckt hat uns nicht nur seine Gelassenheit mit der er sprach, sondern auch seine Sichtweise zum Thema Führung und was wir selbst dafür tun können. Das Zitat: »Um etwas zu verändern…«, stammt von ihm und begleitet uns seitdem auf unserem Weg. Ein weiterer Bühnenredner an diesem Abend – auch sehr eindrucksvoll, war John Strelecky. Bekannt durch seine Bücher ­– »Das Café am Rande der Welt«, eine Erzählung über den Sinn des Lebens und »The Big Five for Life« – Strelecky hilt ebenso zum obigen Thema einen Vortrag. Hier ging es jedoch vielmehr um die innere Führung und das Vertrauen in sich selbst. In seinem erst genannten Buch, geht es um drei primäre Fragen und den Zweck der Existenz (ZDE), welche ich nachfolgend einmal aufführen möchte – da ich sie als elementar ansehe:

Warum bist du hier?
Hast du Angst vor dem Tod?
Führst du ein erfülltes Leben?

Lässt man einmal diese drei Fragen auf sich wirken, stellt man fest, dass die Antworten nicht so gleich aus einem emporsteigen. Und dennoch ist es wert – mit ihnen »schwanger zu gehen«. Da diese das Potenzial besitzen, Veränderung im eigenen Leben herbeiführen zu können.

In seinem weiteren Buch schreibt Strelecky darüber, was wirklich zählt im Leben. Hier geht es um: »Das Leben am Ende seiner Tage angekommen, durch eine Brille zu betrachten, als würde man durch sein eigenes Museum gehen und darauf schauen, ob man seinem Herzen gefolgt ist und seine »fünf wichtigsten Dinge« erreicht hat.« Die Fragen, welche sich hier auftun, sind: Liebe ich was ich mache? – Kenne ich meine Dinge, wofür ich brenne und was mir wirklich, wirklich wichtig ist – in meinem Leben? Gleichzeitig auch: Bleibe ich mir selbst treu und vertraue ich mir selbst und meinen Fähigkeiten? – Bin ich mir dessen wahrhaft bewusst? – Kenne ich meine Bedürfnisse?

Aus der Sicht auf unsere Bedürfnisse geht es meines Erachtens stets auch um ein Gefühl von Sicherheit, des Verbunden sein, Selbstwirksamkeit und Entspannung. Richten wir die Fragen auf unsere Bedürfnisse aus, kommen wir eventuell zu ganz anderen Aspekten, wie wir unserem Leben Erfüllung geben möchten. Oft ist es jedoch so, dass wir unsere wahren Bedürfnisse gar nicht so recht kennen. Außerdem wissen wir vielmals nicht, was wir denn so in unserem Alltag, wirklich brauchen. Nimmt man hier die eigenen Gefühle als Indikator, fällt es uns unter Umständen leichter zum eigentlichen Bedürfnis vorzudringen.

Schon Abraham Maslow (Maslowsche Bedürfnispyramide) – studierte experimentelle Psychologie – sah in der Erfüllung der eigenen Bedürfnisse die ultimative Notwendigkeit zur »Selbstverwirklichung« um das eigene Potenzial auszuschöpfen. Gerade in der heutigen wissenschaftlich ausgerichteten »Positven Psychologie« gilt sein Modell »Hierachie der Bedürfnisse« als wichtige Motivation menschlicher Natur. 1 Auch in der »Salutogenese« geht es immer wieder um die Erfüllung der »Grundbedürfnisse in Lebensdimensionen« – allerdings bezieht sich diese auf das Kohärenzgefühl: 2 Ziel nach innerer Stimmigkeit. Wenn es also um die eigene, innere Führung geht, dann ist gerade die »Klarheit über die Stimmigkeit« ein wichtiger Anhaltspunkt, um feststellen zu können: wie es mir geht – wie ich mich gerade fühle – und was ich tatsächlich brauche, um gedeihen (wachsen) zu können. Und genau dieses Bewusstsein über einen selbst, lässt uns zu unserem »eigenen Schöpfer« werden.

Quellenhinweise:  

1 Psychologie in 30 Sekunden – Die bedeutendsten Strömungen der Psychologie (S.122) – Herausgeber: Christian Jarrett – Autoren: Vaughan Bell „et al“ –  © 2019 Librero (IBP)

2 Gesundheit ist ansteckend – Praxisbuch Salutogenese (S. 102) – Autor: Theodor Dierk Petzold –  © 2013 IRISIANA-Verlag, 1. Auflage

Literatur:

John Strelecky – Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens – dtv – Deutsche Erstausgabe

John Strelecky – The Big Five for Life – Was wirklich zählt im Leben – dtv – Deutsche Erstausgabe

Aaron Antonovsky – Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit – Deutsche Herausgabe von Alexa Franke – ISBN 3-87159-136-X

Barack Obama – Ein amerikanischer Traum – Die Geschichte meiner Familie – dtv – 2. Auflage Juli 2009

Bildnachweis:

Julian Schumacher – ©2020

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